(ghe – 17.9.26) Kraftvoll, aber elegant – so steht es auf dem Notenblatt des Musikstückes „Fanfare“ von Jean-Joseph Mouret. Damit eröffnete der Posaunenchor St. Ilgen mit seinem neuen Dirigenten Carsten Röderer den ökumenischen Kerwe-Gottesdienst auf dem Rathausplatz mit über 100 Gottesdienstbesuchern aller Konfessionen.
Das Titelbild des Heiligen Aegidius auf dem Liedblatt ließ erahnen, dass es heute um Heilige geht. Der ev. Pfarrer Thilo Müller und der kath. Diakon Christian Sych waren sehr gut vorbereitet. Die Besucher erhielten sozusagen einen Schnellkurs in Geschichte und Heimatkunde.
Auszug aus der Predigt
Hier ein Auszug aus der Predigt von Diakon Christian Sych:
Uns Christen in St. Ilgen verbindet eine lange gemeinsame Geschichte einer gewachsenen freundschaftlichen Ökumene. Und seit 2026 verbindet uns auch, dass beide Pfarrgemeinden in einer größeren Kirchengemeinde aufgegangen sind. Die evangelische Gemeinde St. Ilgen bildet gemeinsam mit Sandhausen, Leimen und Nußloch die „Evangelische Kirchengemeinde mittlerer Leimbach“. Die katholische Gemeinde gehört mit insgesamt 19 Pfarrgemeinden von Leimen bis Malsch zur „Röm.-kath. Kirchengemeinde Wiesloch“. Weil eine kath. Pfarrei immer auch eine Pfarrkirche und damit auch ein Patronat haben muss, heißt unsere Groß-Pfarrei „Pfarrei St. Aegidius Leimen-St. Ilgen“. Der Heilige Aegidius ist damit zum Patron für alle Katholiken der Region geworden.
Der Heilige Aegidius
Über das Leben von Aegidius weiß man historisch gesehen nur wenig. Er stammte im 7. Jahrhundert aus Athen, war ein reicher Kaufmann, verschenkte sein Vermögen an die Armen, verließ seine Heimat und gelangte nach Südfrankreich. Viele Jahre soll er dort als Einsiedler bei Nîmes gelebt haben.
Eine Hirschkuh versorgte ihn mit Milch. Um seine Einsiedelei entstand eine Klostergemeinschaft, deren Abt er wurde. Nach seinem Tod wurde sein Grab zu einem bedeutenden Wallfahrtsort.
Der Ort Saint-Gilles in Südfrankreich trägt bis heute seinen Namen – das französische Dilje – sozusagen.
Also Aegidius – Sankt Gilles – Abkürzung Ilg oder Ilgen – St. Ilgen
Im Mittelalter verbreitete sich seine Verehrung in ganz Europa. Aegidius wurde zu einem der Vierzehn Nothelfer und gilt besonders als Schutzpatron der Armen, Kranken und Ausgegrenzten.
Ein klärendes Wort über Heilige
Und nun ein kleines klärendes Wort über die Heiligen: Heilige werden von Katholiken nicht „angebetet“ – Anbetung gebührt nur dem dreifaltigen Gott – Heilige sind Menschen, bei denen die Kirche davon ausgeht, dass sie durch ihr beispielhaftes Leben „heilig“ gelebt haben und wir uns sicher sein dürfen, dass sie ganz bei Gott angekommen sind.
Wir rufen sie als Fürsprecher an, dass sie als unsere Brüder und Schwestern bei Gott ein gutes Wort für uns einlegen mögen. So beten wir auch überkonfessionell gemeinsam im Glaubensbekenntnis: „Wir glauben an die Gemeinschaft der Heiligen“.
Der ev. Pfarrer Thilo Müller hat in seiner Predigt bereits erwähnt, dass die Heiligen Vorbilder und Menschen sind und waren, die ein Leben führten, das Gott gefällt.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass unser Ort seit Jahrhunderten den Namen dieses Heiligen trägt. Aegidius erinnert uns daran, worauf es für Christen aller Konfessionen letztlich ankommt: Gott zu suchen, ihm zu vertrauen und für andere da zu sein.
Wenn wir das tun, dann bleibt Aegidius nicht nur eine Figur aus längst vergangenen Zeiten.
Von der Kirchweihe zur Kerwe
Wir feiern heute Kerwe. Der Ursprung der Kerwe liegt in der Kirchweihe, also in dem Fest, das an die Weihe einer Kirche erinnert. Das ist eine schöne Verbindung: Der heilige Aegidius hat Menschen um sich versammelt und eine Gemeinschaft des Glaubens geprägt.
Kirchen wurden gebaut, damit Menschen Gott begegnen und als Gemeinde zusammenkommen können. Und die Kerwe erinnert bis heute daran, dass Glaube nie nur etwas Privates ist, sondern Menschen zusammenführt.
So dürfen wir heute dankbar auf die Geschichte unseres Ortes, unserer Kirchen und unserer Gemeinden blicken. Und wir dürfen uns freuen, denn christlicher Glaube ist nicht nur Besinnung und Erinnerung. Er kennt auch das Fest, die Gemeinschaft und die Freude. In diesem Sinn wünschen wir uns alle eine gesegnete Kerwe.
Passender zu diesen Worten konnte der Abschluss des Posaunenchores nicht sein: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ aus dem Disney-Film Dschungelbuch.
Zusammengefasst von Gabriele Herb





