Volles Haus trotz Sommerhitze:
„The Spirit“ bringt St. Aegidius zum Klingen

(fwu – 29.7.26) Es gibt Tage, an denen schon der Weg vom Parkplatz bis zur Kirchentür als körperliche Betätigung durchgeht. Weit über 30 Grad zeigte das Thermometer, auf dem Kirchplatz bewegte ein kräftiger Wind zwar Blätter und Kleidung, brachte aber nur begrenzt Erleichterung. Dazu fanden in Leimen, Nußloch und Sandhausen gleich mehrere Veranstaltungen parallel statt. Für ein Chorkonzert waren das, vorsichtig gesagt, keine besonders günstigen Voraussetzungen.

Die voll besetzte katholische Kirche St. Aegidius beim Konzert von The Spirit – Bis in die hinteren Reihen und den Eingangsbereich war die Kirche besetzt. Wer einen Platz hatte, gab ihn vernünftigerweise nicht mehr her.

Doch wer daraus auf einige freie Plätze in der katholischen Kirche St. Aegidius geschlossen hatte, wurde schon am Eingang eines Besseren belehrt. Die Bänke waren voll, die Seitengänge ebenfalls gut belegt, und hinten standen so viele Menschen, dass auch der Eingangsbereich schließlich mehr Zuschauerraum als Eingang war. Wer spät kam, lernte diesen Teil der Kirche ausführlicher kennen als ursprünglich geplant.

Das war die eigentliche Überraschung dieses Abends: Trotz Hitze, Feriengefühl und reichlich Konkurrenz rundherum kamen die Menschen. Nicht ein paar Neugierige, sondern so viele, dass schlicht kein Sitzplatz mehr zu finden war. Ein solches Bild würde vermutlich auch mancher Pfarrer am Sonntagmorgen ohne längere Bedenkzeit übernehmen.

Ein Chor, der sich sein Publikum erarbeitet hat

Melanie Jäger-Gubelius führte den Chor mit sichtbarer Ruhe durch den Abend. Große Gesten brauchte es dabei nicht.

Dass die Kirche so voll wurde, hatte natürlich einen Grund. Der Chor „The Spirit“ hat sich in den vergangenen Jahren ein Publikum ersungen, das offenbar auch dann kommt, wenn draußen das klassische Schwimmbad- und Biergartenwetter herrscht. Unter dem Titel „The Spirit of Summer“ hatte das Ensemble zu einem musikalischen Gottesdienst eingeladen – und schon beim Blick durch das Kirchenschiff war klar, dass diese Einladung angekommen war.

Vorne standen die Sängerinnen überwiegend in Weiß, die Männer in weißen Hemden und dunklen Hosen. Hinter ihnen die roten Sandsteinbögen der Kirche, davor Mikrofone, Notenständer, Instrumente und die üblichen Kabel, ohne die heute selbst geistliche Musik kaum noch den Weg ins Publikum findet. Auf einer Leinwand erschienen Bilder von Wegen, Landschaften und grünen Hängen, während sich der Chor für die nächsten Stücke aufstellte.

Im Mittelpunkt stand dabei Melanie Jäger-Gubelius. Wer ihre Arbeit mit „The Spirit“ schon länger verfolgt, konnte an diesem Abend sehen und hören, wie sehr sie sich als Chorleiterin und Dirigentin entwickelt hat. Sie führte den großen Chor ruhig und klar durch das Programm, gab Zeichen, fing Blicke auf und hielt die vielen Stimmen zusammen. Das wirkte nicht angestrengt oder demonstrativ, sondern inzwischen sehr selbstverständlich.

Man muss dafür kein Musikwissenschaftler sein. Es genügte, den Chor anzusehen: Die Sängerinnen und Sänger wirkten sicher, aufmerksam und zugleich gelöst. Niemand stand dort, als müsse er sich gerade noch an die zweite Strophe erinnern. Und wenn Melanie Jäger-Gubelius die Arme hob, war vorne Bewegung und hinten im Publikum Ruhe. Auch das ist eine Form von Autorität, nur eben ohne Trillerpfeife.

Von Anfang an war die Kirche wach

Der Auftakt gelang mit „I’m Gonna Sing“. Angela Hepp begann als Solistin, während der Chor in die Kirche einzog und ihre Stimme aufnahm. Damit war sofort klar, wohin die Reise gehen sollte: nicht in einen stillen Konzertabend mit vorsichtigem Räuspern zwischen den Stücken, sondern in ein Programm, das Glauben, Hoffnung und Lebensfreude hörbar machen wollte.

Johannes Wegenkittel führte durch den Abend. Mit dem Mikrofon in der Hand erklärte er Hintergründe und Übergänge, ohne aus dem Konzert eine Vorlesung werden zu lassen. Die Hinweise halfen, denn das Programm führte durch verschiedene Länder, Zeiten und Musikrichtungen – von Spirituals und Gospel über Neues Geistliches Lied und Chanson bis zu afrikanischen Stücken.

Die einzelnen Titel standen dabei weniger für sich als für die Stimmung, die sie gemeinsam erzeugten. Mal sang der Chor kräftig und füllte den gesamten Kirchenraum, mal wurde es so ruhig, dass selbst das Umblättern der Noten auffiel. Das Publikum hörte konzentriert zu. Viele hielten das Programmheft auf den Knien, andere blickten ohne Umweg nach vorne. Bei einem voll besetzten Gotteshaus ist allein diese gemeinsame Aufmerksamkeit schon bemerkenswert.

Die Band trägt, ohne sich vorzudrängen

Begleitet wurde der Chor von der Band „Spurensuche“. Christoph Rehorst saß an den Tasten, Aaron Farinas spielte Schlagzeug, Dennis Oswald Bass und Thomas Groß-Bölting Gitarre. Gemeinsam sorgten sie dafür, dass die Stücke ihren Rhythmus und ihre Farbe bekamen, ohne den Chor zu überdecken. Das ist schnell gesagt, aber bei mehreren Dutzend Stimmen und einer voll besetzten Kirche keineswegs selbstverständlich.

Gesang, Querflöte und Band sorgten für Abwechslung. Vorne wurde musiziert, hinten blieb kaum Platz zum Stehen.

Johanna Berlinger setzte mit der Querflöte immer wieder helle Töne dazwischen. Während vorne Klavier, Gitarre und Bass arbeiteten, saß sie seitlich am Notenständer und ließ die Flöte über den Chorklang steigen. Das klang leicht, beinahe wie ein Vogelruf – wobei Vögel bekanntlich selten Notenständer benötigen und auch mit dem Einsatz eher großzügig umgehen.

Angela Hepp übernahm mehrere Solopassagen, darunter „In This Very Room“ und „You’ll Never Walk Alone“. Letzteres kennen viele vor allem aus dem Fußballstadion, ursprünglich stammt es jedoch aus dem Musical „Carousel“. In St. Aegidius brauchte es weder Fanschal noch Flutlicht. Ihre Stimme und der Chor reichten aus, um die Zuhörer still werden zu lassen.

Paris, Afrika und ein Schlaflied

Mit „Summertime“ stand auch ein Stück von George Gershwin auf dem Programm. Statt es groß und jazzig aufzublasen, erklang es eher ruhig und schwebend. Das passte zum Raum und auch zum Abend, an dem draußen der Sommer keineswegs nur besungen wurde, sondern mit voller Temperatur vor der Tür stand.

Bei „Les Champs-Élysées“ wurde es leichter, beinahe tänzerisch. Der Chor begleitete das französische Lied mit seinem bekannten „Da-ba-da-ba-dam“, und für einige Minuten lag Paris ziemlich genau zwischen Altarraum und erster Kirchenbank. Viel näher kommt man der französischen Hauptstadt an einem heißen Sonntagabend in St. Ilgen gewöhnlich nicht.

Spätestens bei den afrikanischen Liedern „Keleya“ und „Chineke“ blieb die Bewegung nicht mehr allein vorne. Im Publikum wurde mitgeklatscht, auf den Bänken wippten Schultern und Füße, und einige Gesichter, die zu Beginn noch ernst auf das Programm geschaut hatten, zeigten nun ein breites Lächeln. Der Rhythmus hatte die Reihen erreicht – auch jene ganz hinten, die den Abend stehend verbrachten.

Genau solche Momente machten das Konzert aus. Nicht die Frage, ob ein Stück musikalisch besonders schwierig war oder wie eine Fachjury es bewertet hätte. Entscheidend war, was man sehen konnte: aufmerksame Gesichter bei den ruhigen Liedern, klatschende Hände bei den lebhaften und lange Applauspausen nach den Solobeiträgen.

Ein Sommersegen und kein schnelles Ende

Mit „Praise the Lord – Alleluja“ näherte sich das offizielle Programm seinem Ende. Danach erhoben sich viele Besucher von ihren Plätzen, applaudierten stehend und riefen nach einer Zugabe. Wer bis dahin hinten gestanden hatte, musste dafür immerhin nicht mehr eigens aufstehen – ein kleiner logistischer Vorteil des überfüllten Eingangsbereichs.

Bevor es musikalisch weiterging, dankten die Verantwortlichen den Beteiligten. Blumen wurden überreicht, im Chor wurde geklatscht, und im Publikum gingen noch einmal zahlreiche Hände nach oben. Gemeinsam sprach man einen Sommersegen. Für einen Moment wurde es ruhig in der Kirche, obwohl weiterhin weit über Hundert Menschen dicht nebeneinandersaßen und -standen.

Blumen für die Verantwortlichen, Applaus aus den Reihen – und danach noch eine Zugabe. Einfach verschwinden ließ das Publikum den Chor nicht.

Mit „Top of the World“ verabschiedete sich der Chor schließlich. Die Sängerinnen und Sänger trugen das Stück auswendig vor, bewegten sich freier und ließen erkennen, dass auch nach einem langen Programm noch genügend Freude und Energie vorhanden waren. Das Publikum klatschte erneut, vorne verbeugten sich Chorleiterin, Solisten und Musiker, und langsam lösten sich die dicht gefüllten Reihen auf.

Die stärkste Bewertung lieferte das Publikum

Natürlich kann man über die Auswahl der Lieder, die Solisten und die Band schreiben. Man kann aufzählen, wer welches Instrument spielte und wie das Programm von Amerika über Frankreich bis nach Afrika führte. Die stärkste Bewertung des Abends lieferte jedoch das Publikum selbst.

An einem Tag mit weit über 30 Grad, einem kräftigen Sommerwind und drei oder vier anderen Veranstaltungen in der unmittelbaren Umgebung war St. Aegidius so voll, dass Besucher im Eingangsbereich stehen mussten. Das muss ein Chor erst einmal schaffen.

„The Spirit“ hat es geschafft. Und der Abend zeigte zugleich, welchen Anteil Melanie Jäger-Gubelius daran hat. Sie hat den Chor in den vergangenen Jahren hörbar und sichtbar weitergebracht. Nicht mit großem Getöse, sondern durch kontinuierliche Arbeit, die inzwischen auf der Bühne – beziehungsweise vor dem Altar – ganz selbstverständlich wirkt.

Als die Besucher später wieder auf den warmen Kirchplatz traten, stand die Hitze noch immer zwischen den Häusern. Die Parallelveranstaltungen waren ebenfalls längst in vollem Gange. In St. Aegidius aber hatte sich gezeigt, dass ein Chor auch unter diesen Bedingungen eine Kirche füllen kann. Bis in den Eingang. Mehr muss man über diesen Sommerabend eigentlich nicht sagen.


  • Fotos: Markus Arndt 
  • Konzert-Informationen und Hintergrund: Achim Klotz, Rudi Sailer 
LeimenBlog.de Ihre lokale Internetzeitung für Leimen, Nußloch, Sandhausen

Kurz-URL: https://leimenblog.de/?p=205462

Sie müssen eingeloggt sein, um kommentieren zu können. Login

Werbung / Anzeigen

Turmapotheke Logo NEU 300x120

Autoglas300x120

Spargelhof Köllner Logo 300x120

Dr Ullrich -  Banner 300 - 2015

Mattern Optik - Banner 300 - 4

6581 - Elektro Lutsch Banner 300c

Gallery

22748-Liedertafel-130er-Jubilaeum-07-Finale-4 22748-Liedertafel-130er-Jubilaeum-07-Finale-3 22748-Liedertafel-130er-Jubilaeum-07-Finale-2 22748-Liedertafel-130er-Jubilaeum-07-Finale-1 22748-Liedertafel-130er-Jubilaeum-06-Brightlight-6 22748-Liedertafel-130er-Jubilaeum-06-Brightlight-5 22748-Liedertafel-130er-Jubilaeum-06-Brightlight-4 22748-Liedertafel-130er-Jubilaeum-06-Brightlight-3 22748-Liedertafel-130er-Jubilaeum-01-Rudi-Sailers-Torte

Werbung

Letzte Fotoserie:

22748-Liedertafel-130er-Jubilaeum-07-Finale-4 22748-Liedertafel-130er-Jubilaeum-07-Finale-3 22748-Liedertafel-130er-Jubilaeum-07-Finale-2 22748-Liedertafel-130er-Jubilaeum-07-Finale-1 22748-Liedertafel-130er-Jubilaeum-06-Brightlight-6 22748-Liedertafel-130er-Jubilaeum-06-Brightlight-5

Fotogalerie

Anmelden | Entworfen von Gabfire themes

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Informationen...

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen